War Jesus eigentlich obdachlos?
02.10.2026 05:32Der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sein Haupt hinbetten kann? War Jesus obdachlos?
von Hans-Georg Peitl
Die Antwort hängt zunächst davon ab, was wir unter „obdachlos“ verstehen.
Wenn wir darunter die heutige Situation eines Menschen verstehen, der auf der Straße lebt, keinerlei Unterkunft besitzt und auf Notschlafstellen angewiesen ist, dann können wir Matthäus 8,20 nicht einfach als Beweis dafür verwenden, dass Jesus genau in dieser Situation lebte.
Die Evangelien berichten immer wieder davon, dass Jesus in Häusern aufgenommen wurde. Menschen gewährten ihm Gastfreundschaft. Er hatte Freunde und Unterstützer.
Aber ein eigenes, dauerhaftes Zuhause, in das Jesus während seines öffentlichen Wirkens jeden Abend zurückkehrte?
Genau das zeigen uns die Evangelien nicht.
Jesus zog umher.
Er predigte.
Er besuchte Städte und Dörfer.
Er wurde aufgenommen.
Und er machte seinen Jüngern deutlich, dass die Nachfolge keine Garantie auf die Sicherheit eines eigenen Zuhauses bedeutete.
Damit erscheint der Satz von den Füchsen und Vögeln plötzlich in einem anderen Licht.
Vielleicht sagt Jesus hier weniger:
„Ich bin mittellos.“
Sondern vielmehr:
„Ich bin nicht sesshaft.“
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn Wohnungslosigkeit muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Mensch überhaupt kein Geld besitzt. Und umgekehrt bedeutet ein Dach über dem Kopf noch lange nicht, dass ein Mensch ein eigenes Zuhause besitzt.
Auch bei Jesus wäre deshalb die Frage nach seinem Kapital wahrscheinlich die falsche Frage.
Seine Lebensweise hatte mit seinem Auftrag zu tun.
Er sollte gehen.
Menschen begegnen.
Predigen.
Heilen.
Weiterziehen.
Der Menschensohn hatte keinen festen Ort, an dem er sein Haupt hinlegte, weil sein Weg selbst Teil seiner Sendung war.
Und ausgerechnet dieser nicht sesshafte Prediger erzählt uns vom Haus auf dem Felsen.
Vielleicht liegt darin sogar eine tiefere Pointe.
Jesus sagt uns nicht:
„Besitzt ein Haus.“
Er sagt:
„Sorgt dafür, dass das, worauf ihr euer Leben baut, trägt.“
Man kann ein wunderschönes Haus besitzen und sein Leben auf Sand bauen.
Und man kann keinen eigenen Schlüssel in der Tasche haben und trotzdem auf einem Fundament stehen, das kein Sturm fortreißt.
Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage am Ende gar nicht:
Hatte Jesus ein Haus?
Sondern:
Worauf hat Jesus sein Leben gebaut – und worauf bauen wir unseres?
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