Wenn ein anderer Mensch besser zu mir passen würde
29.08.2026 07:24

Wie lange sollte man an einer Ehe festhalten?

von Hans-Georg Peitl

Diese Frage, liebe Freunde, stelle ich mir immer wieder. Besonders an jenen Tagen, an denen meine Frau ankündigt, mich nun zu verlassen, oder mich auffordert, selbst zu gehen.

Und ich stehe da und frage mich:

Was soll ich nun eigentlich tun?

Grundsätzlich habe ich einen Glauben. Nämlich den Glauben, dass eine Ehe nicht einfach deshalb aufgelöst werden sollte, weil sie schwierig geworden ist oder weil man irgendwann feststellt, dass ein anderer Mensch vielleicht besser zu einem passen würde.

Jesus sagt:

Matthäus 19,6
„Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“

Und wenige Verse später spricht Jesus über Ehebruch als Ausnahme.

Für mich bedeutet das: Solange meine Frau keinen Ehebruch begeht und sich damit einem anderen Mann zuwendet, besteht unsere Ehe.

Das ist meine Glaubensgrundlage.

Treue ist leicht, solange alles funktioniert

Natürlich klingt Treue wunderschön, solange eine Ehe harmonisch verläuft.

Doch was bedeutet Treue, wenn es anders kommt?

Was bedeutet sie nach zahlreichen Zugeständnissen, nach harten Beleidigungen, nach Streit und sogar nach manchen Handgreiflichkeiten?

Ich würde trotzdem zu meiner Frau halten.

Nicht, weil mir das immer leichtfällt.

Nicht, weil ich behaupten könnte, dass unsere Ehe immer glücklich wäre.

Sondern weil mein Glaube mir sagt, dass ein Eheversprechen nicht nur für die guten Zeiten gegeben wurde.

Doch genau hier beginnt für mich die schwierige Frage.

Was geschieht, wenn jemand anderes besser passen würde?

Im Laufe eines Lebens begegnet man vielen Menschen.

Und darunter können durchaus Menschen sein, mit denen man vielleicht friedlicher zusammenleben könnte. Menschen, mit denen man mehr gemeinsame Interessen hat. Menschen, die möglicherweise sogar gerne jene Rolle im eigenen Leben hätten, die der Ehepartner inzwischen ablehnt.

Dann wäre es leicht zu sagen:

Warum halte ich eigentlich noch an dieser Ehe fest?

Warum packe ich nicht einfach meinen Koffer, wenn meine Frau mich dazu auffordert?

Warum beginne ich nicht noch einmal neu?

Vielleicht wäre ich mit einem anderen Menschen sogar glücklicher.

Aber ist das tatsächlich ein christlicher Grund, eine Ehe zu verlassen?

Ehe ist keine permanente Partnerwahl

Vor einer Ehe kann ich überlegen, welcher Mensch am besten zu mir passt.

Aber nach der Eheschließung verändert sich etwas.

Denn wenn ich auch danach ständig prüfen würde, ob inzwischen irgendwo ein besser passender Partner aufgetaucht ist, wäre die Ehe keine verbindliche Entscheidung mehr.

Sie wäre eine permanente Ausschreibung.

Heute ist meine Frau die beste Partnerin. Morgen begegne ich einer Frau, die besser zu mir passt. Und übermorgen vielleicht einer, die noch besser passt.

So kann Treue eigentlich nicht funktionieren.

Vielleicht besteht Treue gerade darin, sagen zu können:

Ja, möglicherweise gibt es einen Menschen, der besser zu mir passen würde. Aber ich bin verheiratet.

Ich muss einen anderen Menschen nicht schlechtmachen, um meiner Frau treu zu bleiben.

Ich darf sogar anerkennen, dass ein anderer Mensch vielleicht liebevoller, friedlicher oder in manchen Bereichen passender wäre.

Die eigentliche Frage ist doch:

Hebt das mein Eheversprechen auf?

Nach meinem bisherigen Glaubensverständnis lautet die Antwort: Nein.

Aber wo liegt die Grenze?

Und trotzdem bleibt bei mir eine Frage offen.

Denn muss ein Christ tatsächlich unter allen Umständen an einer Ehe festhalten, solange kein Ehebruch stattgefunden hat?

Was ist mit dauerhaften Beleidigungen?

Was ist mit der ständigen Aufforderung, zu gehen?

Was ist mit körperlichen Übergriffen?

Darf man sich in einer solchen Situation räumlich trennen, ohne damit das Eheversprechen aufzugeben?

Und noch schwieriger:

Wenn der eigene Ehepartner selbst immer wieder die Trennung verlangt – ist es dann christliche Treue, trotzdem zu bleiben?

Oder kann aus dem Festhalten irgendwann etwas werden, das mit Liebe gar nichts mehr zu tun hat?

Ich habe darauf für mich noch keine einfache Antwort gefunden.

Eines allerdings glaube ich:

Dass irgendwo ein Mensch existiert, der möglicherweise besser zu mir passen würde, kann allein kein Grund sein, mein Eheversprechen zu brechen.

Denn sonst wäre Treue nur so lange gültig, bis etwas Besseres auftaucht.

Und das kann eigentlich nicht das sein, was Jesus mit Ehe gemeint hat.

Aber wie seht ihr das?

Wie lange sollte ein Christ an einer Ehe festhalten?

Und wo liegt für euch die Grenze zwischen Treue zu einem Versprechen und einer Trennung, die vielleicht irgendwann notwendig wird?

Informationen zu diesem Artikel
  • Erstellt von: OMPastorPeitl
    Kategorie: Allgemein
    29.08.2026 07:24:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 29.08.2026 07:35
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