Wenn Suno und ACE ähnlich klingen – liegt es dann wirklich nur an der KI?
28.08.2026 10:30Wenn ACE und Suno etwa gleichstark klingen: Liegt es dann wirklich nur an der KI?
von Hans-Georg Peitl
Langsam normalisiert sich unser Tonstudio in Haskovo in Bulgarien wieder. Damit können wir unsere musikalische Arbeit endlich wieder einigermaßen ordnungsgemäß aufnehmen.
Und natürlich wird auch beobachtet, wie wir arbeiten.
Man sieht, dass bei uns Audacity läuft. Man sieht die zusätzlichen Module. Inzwischen haben wir einen Optimizer, einen Vocoder und weitere Werkzeuge eingerichtet. Mit OpenVINO können wir sogar Gesang und Instrumentalspuren voneinander trennen und anschließend getrennt bearbeiten.
Trotzdem begegnet uns immer wieder dieselbe Vorstellung:
Die Musik macht doch ohnehin nur die KI.
Das ist eine interessante Behauptung.
Denn mittlerweile arbeiten wir mit unterschiedlichen KI-Systemen. Lange Zeit entstand ein erheblicher Teil unserer Musik mit Suno. Inzwischen produzieren wir verstärkt mit ACE.
Und dabei passiert etwas Merkwürdiges:
Unsere Musik klingt weiterhin nach unserer Musik.
Natürlich gibt es Unterschiede. ACE interpretiert manche Vorgaben anders als Suno. Stimmen unterscheiden sich, Instrumentierungen unterscheiden sich, und auch die Qualität einzelner Ergebnisse ist nicht identisch.
Aber der grundsätzliche musikalische Charakter bleibt erstaunlich ähnlich.
Warum?
Vielleicht, weil die KI nicht am Anfang der Idee steht
Wenn zwei unterschiedliche Systeme ähnliche Ergebnisse hervorbringen, sollte man sich eine ziemlich einfache Frage stellen:
Was haben beide gemeinsam?
Nicht ihre Software.
Nicht ihre Entwickler.
Nicht ihre Modelle.
Sondern die Vorgaben, mit denen wir sie füttern.
Wenn wir eine bestimmte Akkordfolge vorgeben, einen tiefen männlichen Bariton verlangen, eine rauchige Frauenstimme einsetzen, Country, Crooner und Gospel miteinander verbinden, Gitarrensoli an bestimmten Stellen wünschen und einen Refrain auf eine bestimmte Weise aufbauen wollen, dann entsteht eine musikalische Handschrift.
Die KI setzt diese Vorgaben um.
Aber sie muss sie erst einmal bekommen.
Und anschließend ist die Arbeit noch längst nicht zwingend beendet.
Dafür steht bei uns Audacity. Dafür suchen wir Plugins heraus. Dafür beschäftigen wir uns mit Vocoder, Optimierung, Spurentrennung und Nachbearbeitung.
Man kann natürlich behaupten, wir würden uns diese Werkzeuge mühsam installieren und anschließend niemals benutzen.
Nur wird die Argumentation irgendwann ein wenig kurios.
Heute ging die dritte Single auf den Weg
Heute haben wir bei Amuse bereits die dritte Single von Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva eingereicht.
Damit entsteht langsam genügend Material, um etwas beurteilen zu können:
Unsere Produktionen aus ACE unterscheiden sich stilistisch gar nicht so dramatisch von jenen, die zuvor mit Suno entstanden sind.
Und das ist für uns eigentlich ein erfreuliches Ergebnis.
Denn wenn wir die KI austauschen können, ohne dabei unsere musikalische Identität auszutauschen, spricht einiges dafür, dass diese Identität nicht ausschließlich aus der KI stammt.
Oder einfacher gesagt:
Es liegt offenbar auch an uns.
Die KI ist ein Werkzeug.
Ein bemerkenswert leistungsfähiges Werkzeug, ohne Frage. Wir haben überhaupt kein Interesse daran, ihren Anteil kleinzureden. Ohne diese Technik könnten wir vieles, was heute in unserem Studio entsteht, nicht auf dieselbe Weise produzieren.
Aber ein Werkzeug entscheidet nicht automatisch, was man damit bauen möchte.
Man wird es trotzdem nie allen recht machen
Natürlich wird auch dieser Gedanke nicht jeden überzeugen.
Wer unbedingt glauben möchte, dass ein Mensch bei KI-Musik nur auf einen Knopf drückt und anschließend einen fertigen Titel erhält, wird vermutlich auch einen Vocoder, einen Optimizer, Audacity, Akkordvorgaben und unterschiedliche Produktionssysteme nicht als Gegenargument akzeptieren.
Das ist dann irgendwann keine technische Diskussion mehr.
Denn eine Diskussion setzt voraus, dass neue Informationen zumindest die Möglichkeit haben, die eigene Meinung zu verändern.
Wer dagegen jede Information nur danach beurteilt, wie sie sich gegen einen anderen Menschen verwenden lässt, wird immer ein neues Argument finden.
Damit müssen wir leben.
Wir können nicht jedem Menschen beweisen, dass unsere Arbeitsweise seiner Vorstellung entsprechen sollte.
Wir können nur weiterarbeiten.
Und vielleicht ist das am Ende ohnehin die beste Antwort:
Suno macht unsere Musik.
ACE macht unsere Musik.
Audacity bearbeitet unsere Musik.
Und trotzdem klingt sie erstaunlicherweise immer wieder nach uns.
Vielleicht sollte man darüber einmal nachdenken.
Oder glaubt ihr wirklich, dass das alles nur Zufall ist?
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