Ungeprüft verurteilt
18.06.2026 06:59Gedanken und Entwicklungen über die man einmal nachdenken sollte
von Hans-Georg Peitl
Eigentlich bin ich immer wieder überrascht, liebe Freunde, wie rasch Menschen verurteilt werden – nicht aufgrund dessen, was sie tatsächlich getan oder gesagt haben, sondern aufgrund dessen, was andere in ihre Worte hineininterpretieren.
Immer wieder erleben wir, dass Menschen, die vor Entwicklungen warnen, zunächst lächerlich gemacht oder sogar als gefährlich abgestempelt werden. Erst Jahre später beginnt man zu fragen, ob an ihren Warnungen vielleicht doch etwas dran war.
So wurden Menschen, die auf die Gefahr einer Radikalisierung im Namen des Islam hinwiesen, oft pauschal als Feinde des Islam bezeichnet – obwohl viele von ihnen gerade zwischen friedlichen Muslimen und extremistischen Ideologien unterscheiden wollten.
Auch während der Corona-Pandemie wurden kritische Stimmen häufig vorschnell in Schubladen gesteckt. Statt sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen, wurden sie oft persönlich angegriffen. Erst mit der Zeit wurden manche Fragen, die damals gestellt wurden, auch von offiziellen Stellen aufgegriffen.
Und wer vor einem Krieg in der Ukraine warnte oder auf die zunehmenden Spannungen hinwies, wurde nicht selten als Panikmacher oder als Sprachrohr einer Seite bezeichnet. Wenig später war der Krieg Realität.
Die Geschichte zeigt uns immer wieder: Warnungen sind unbequem. Aber unbequem zu sein bedeutet nicht automatisch, Unrecht zu haben.
Auch wir von Obdachlose in der Politik haben auf Missstände hingewiesen, die wir täglich erleben. Nicht, weil wir Streit suchen, sondern weil wir überzeugt sind, dass Probleme nur gelöst werden können, wenn man sie offen anspricht.
Deshalb sollten wir vorsichtig sein, bevor wir Menschen verurteilen. Eine Gesellschaft lebt davon, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt und Argumente prüft, statt Menschen vorschnell in Schubladen zu stecken.
Vielleicht wäre unsere Welt an manchen Stellen besser, wenn wir Warnungen früher geprüft hätten – anstatt diejenigen zu verurteilen, die den Mut hatten, sie auszusprechen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.
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