Die Angst vor der Antwort: Warum Vollmacht keine Urkunde braucht
23.04.2026 09:53Eine bis heute von Jesus nicht beantwortete Frage, ist die Frage nach seiner Vollmacht
von Hans-Georg Peitl
Es ist eine der am feinsten geschliffenen Szenen im Lukasevangelium (Kapitel 20). Die religiöse Elite tritt an Jesus heran und fordert einen Ausweis: „Mit welcher Vollmacht tust du das?“ Es ist die Urfrage der Bürokratie an die Inspiration, der Institution an die Bewegung.
Das Dilemma der Legitimation
Jesus antwortet nicht mit einem Zertifikat. Er antwortet mit einer Gegenfrage zur Taufe des Johannes. Damit manövriert er seine Kritiker in eine Sackgasse. Warum? Weil sie nicht an der Wahrheit interessiert waren, sondern an der Kontrolle.
Das Spannende daran ist: Jesus entlarvt, dass Vollmacht oft gar nicht erklärt werden kann. Man kann sie nur erkennen – oder man verweigert sich ihr bewusst.
Zwischen Stempel und Tat
Wir kennen diese Situation heute nur zu gut. In unserer Arbeit, sei es bei der Plattform Obdachlose oder in sozialen Projekten wie Living Hands, stoßen wir oft auf dieselbe Barriere. Oft wird gefragt:
„Wer hat euch beauftragt?“
„Welches Gremium steht dahinter?“
„Wo ist der offizielle Stempel?“
Doch während die Institutionen noch über Zuständigkeiten debattieren, wird draußen auf der Straße bereits gehandelt. Hier zeigt sich die „Vollmacht“ im Sinne Jesu: Sie leitet sich nicht aus einer Ernennungsurkunde ab, sondern aus der Notwendigkeit des Augenblicks und der Liebe zum Nächsten.
Erkenntnis ist eine Entscheidung
Wenn wir heute unsere HeyGen-Filme produzieren und digitale Wege nutzen, um Botschaften zu verbreiten, stellen wir dieselbe Frage: Muss man Vollmacht erklären oder erkennen?
Ein Titel macht noch keine Autorität. Ein Amt macht noch keinen Hirten. Wahre Vollmacht erweist sich dort, wo Menschen aufstehen und Dinge beim Namen nennen, die andere lieber verschweigen würden. Jesus zeigt uns: Wer die Wahrheit nicht sehen will, dem hilft auch die beste Erklärung nicht. Wer sie aber sehen will, dem genügt ein Blick auf die Tat.
Was meint ihr?
Wir erleben oft, dass die „kleinen Leute“ ohne Titel die größte Wirkung erzielen.
Wo habt ihr schon einmal erlebt, dass jemand ohne offizielle Erlaubnis, aber mit einer unglaublichen inneren Vollmacht etwas verändert hat?
Brauchen wir in unserer Gesellschaft wieder mehr Mut zur Tat statt zum Zertifikat?
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