Die „Klopapier-Liste“ gegen das „zweite X“: Warum wir uns nicht mehr übermalen lassen
02.04.2026 09:42Ein Gastbeitrag von der Front zwischen dem 9. und dem 10. Bezirk.
von Hans-Georg Peitl
Wenn ich heute durch den 15. Bezirk marschiere, habe ich ein Dokument in der Hand, das für manche wie Abfall aussieht. Es ist eine Spendensammelliste für die Plattform Obdachlose. Sie ist zerknittert, an den Ecken gebogen, hunderte Male gefaltet und wieder aufgerollt. Wenn ich vor einem Unternehmer stehe, entschuldige ich mich manchmal fast: „Das kann ich Ihnen eigentlich kaum zumuten.“
Aber wissen Sie was? Diese Liste ist das ehrlichste Dokument dieser Stadt.
Der Verschleiß der Wahrheit
Diese Liste sieht deshalb so aus, weil sie 30 Mal ganz Wien gesehen hat. Sie war in der U1 am Reumannplatz, sie ist im D-Wagen am Franz-Josefs-Bahnhof mitgefahren, sie lag auf den Tresen von hunderten Geschäften im 10., 12. und 15. Bezirk. Jeder Knick ist ein Gespräch, jede Falte ist ein Meter harter Boden.
Sie ist das Gegenteil von den Hochglanzbroschüren, die uns die Politik alle paar Jahre in den Postkasten wirft. Dort ist alles glatt, alles sauber – und oft alles gelogen.
Das System der „Zweit-x-Maler“
Warum trete ich nicht mehr bei Wahlen an? Weil ich das System im Kern verstanden habe. Ich habe gesehen, wie in den Hinterzimmern und Altersheimen gearbeitet wird. Da gibt es die Spezialisten für das „zweite X“.
Man lässt die Menschen wählen, und wenn das Kreuzerl nicht dort sitzt, wo es das Machtgefüge gerne hätte, wird nach der Stimmabgabe einfach ein zweites Kreuz dazugemalt. Ein kleiner Strich, und die Stimme ist ungültig. Ein „Beinahe-Sieg“ im 10. Bezirk wird so ganz leise im Hinterzimmer weggemalt.
Dagegen kannst du nicht anlaufen, solange du innerhalb ihrer Regeln spielst. Wer das Wahlbeisl-Recht kontrolliert, kontrolliert die Realität – zumindest die auf dem Papier.
Unser „Wunderwerk“ ist fälschungssicher
Ich habe keine Lust mehr, die Menschen anzulügen. Ich will keine Spenden mehr sammeln für einen Wahlkampf, von dem ich weiß, dass das Geld sinnlos verpufft oder die Stimmen am Ende entwertet werden.
Deshalb bauen wir unser eigenes Netz.
Unsere Crowding-Listen sind echt. Jede Unterschrift ist ein Zeugnis der Straße.
Unsere Musik und Filme (EPOCH) sind digital und unzerstörbar. Da kann kein Wahlhelfer ein zweites X drübermalen.
Unsere Hilfe für die Obdachlosen kommt direkt an, ohne den Filter eines Apparats, der sich nur selbst verwaltet.
Fazit: Die Straße lügt nicht
Man mag mich einen „Gauner“ nennen, weil ich das System durchschaut habe und es beim Namen nenne. Aber der wahre Betrug findet dort statt, wo wehrlose Menschen um ihre Stimme gebracht werden.
Meine Liste mag ausschauen wie Klopapier, aber sie ist trocken geblieben. Und solange sie trocken ist, bleibt die Information lebendig. Wir marschieren weiter – nicht mehr Richtung Urne, sondern direkt zu den Menschen. Denn den Strom in dieser Stadt drehen wir jetzt selber an.
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