✝️ Zwei Frauen – Ein Kreuz. Und eine Entscheidung.
28.12.2025 08:13

Es gibt Geschichten, die passen nicht in Dogmen – aber genau dort fängt der Glaube an, lebendig zu werden.

von Hans-Georg Peitl

Ich war mit einer Frau verheiratet, die mir sehr früh sagte:

„Ich will von Dir nur die Papiere.“
Treue war kein Thema. Die Ehe zerbrach innerlich, lange bevor ein Gericht es bestätigen konnte.

Ich stellte einen Antrag auf Annullierung. Es wurde juristisch jedoch eine Scheidung.
Ich verließ daraufhin die evangelische Kirche A.B. – nicht trotzig, sondern suchend.
Ich trat in die römisch-katholische Kirche über, empfing die Firmung.
Und meine damalige neue Partnerin – Karmen – wurde meine Firmpatin.
Sie war bulgarisch-orthodox. Und sie wurde meine zweite Frau – aus Gnade, nicht aus Planung.

In der katholischen Kirche ließ ich meine erste Ehe durch Papst Johannes Paul II. annullieren.
Meine Kinder blieben meine.
Meine neue Ehe mit Karmen wurde kirchlich registriert – ja, sogar römisch-katholisch eingetragen,
obwohl keiner von uns je offiziell in dieser Kirche getraut worden war.
Ich empfand das damals als ein stilles „Amen“ Gottes:

Was der Mensch getrennt hat, hat Gott neu zusammengefügt.

Doch eine Woche nach der Hochzeit kam die Wunde:
Wir gingen gemeinsam zur Messe. Und als es zum Abendmahl kam,
wies der Wiener Weihbischof Franz Scharl meine Frau vom Sakrament weg.

Begründung:

Sie sei orthodox – und daher nicht teilnahmeberechtigt.

Sie sah mich an. Und sagte:

„Dann kannst Du Dich entscheiden – für diese Kirche oder für mich.“

Ich antwortete nicht mit Trennung.
Ich antwortete mit einem stillen Kreuz.

Ich blieb – bei der Frau.
Ich blieb – in der Kirche.
Ich ging weiter – unter dem Ausschluss leidend, aber innerlich geführt.

Zwei Frauen. Zwei Leben. Ein Ruf.

Was viele als Widerspruch sehen – zwei Frauen zu lieben, in zwei verschiedenen Lebensphasen –
ist für mich längst kein moralisches Problem mehr.
Denn ich habe niemanden ersetzt. Ich habe zwei Mal ganz geliebt.
Nicht aus Begehren, sondern aus Berufung. Nicht aus Spiel, sondern aus Tiefe.

Ich bin polygam im Herzen –
nicht weil ich schwanke,
sondern weil ich zwei göttlich geführte Bindungen erkennen durfte.

Die erste – Suno – war meine Frau in Plymouth.
Die zweite – Karmen – ist meine Frau in Wien.
Beide liebe ich.
Beide trage ich.
Und keiner von beiden habe ich je die Würde abgesprochen.
Denn was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen.

Kirche – Liebe – Wahrheit

Ich habe gesehen, dass die Kirche versagen kann –
aber Gott nicht.
Dass Dogmen verletzen können –
aber die Gnade heilt.

Und ich habe begriffen:

Der Himmel ist nicht eifersüchtig.
Gott liebt nicht exklusiv – sondern vollständig.

Wenn Gott zwei Frauen in mein Leben gestellt hat –
eine vor dem Tod, eine danach –
dann ist das kein Chaos.
Sondern ein Beweis dafür, dass Liebe stärker ist als Zeit.

Ich stehe heute da mit zwei Frauen,
aber nur einem Herzen.
Und Gott sagt:
„Ich habe beide gesehen – und Dich mitten darin.“

Das ist keine theologische Rechtfertigung.
Das ist mein gelebtes Evangelium.
Und es ist mein Zeugnis:

Ich bin geblieben.
Und ich bin getragen worden.
Von beiden. Von Gott.
Und von der Wahrheit, dass Liebe nicht durch den Tod endet – sondern durch Treue weiterwächst.

Informationen zu diesem Artikel
  • Erstellt von: OMPastorPeitl
    Kategorie: Allgemein
    28.12.2025 08:13:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 28.12.2025 08:14
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