Warum wir als Presseclub Obdachlosenarbeit machen
07.08.2025 07:15Die Aufgabe einer Mediengewerkschaft für Obdachlose
Im Jahr 2007 habe ich eine Petition gestartet, die vieles verändert hat –
zumindest auf dem Papier.
Sie trug den Titel:
„Arbeitsrecht für Obdachlose – P7 soll Zentralmeldeadresse werden“
Und tatsächlich: Die Petition hatte Erfolg.
Seitdem ist es rechtlich möglich, dass Obdachlose arbeiten –
vorausgesetzt, sie finden einen Arbeitgeber, der sie einstellt.
Die Wiener Gebietskrankenkasse erkannte diese Regelung an.
Damit war klar:
Ein Leben ohne festen Wohnsitz ist kein Ausschlussgrund mehr für Erwerbsarbeit.
Doch wer glaubt, damit sei das Problem gelöst, der irrt.
Das Gesetz erlaubt – aber die Gesellschaft verhindert
Denn obwohl heute jede obdachlose Person in Wien arbeiten dürfte,
werden sie in der Praxis kaum eingestellt.
Warum?
Weil die Vorurteile stärker sind als das Gesetz.
„Unzuverlässig.“
„Nicht repräsentativ.“
„Bestimmt nicht pünktlich.“
„Kein Bankkonto.“
„Kein Anzug.“
All diese Sätze habe ich selbst gehört.
Ich war nämlich selbst jahrelang obdachlos.
Und ich weiß, was es heißt, für „nicht arbeitsfähig“ gehalten zu werden,
nur weil man keine Wohnung hat.
Warum ich jetzt als Vorbild auftreten will
Heute bin ich Gründer von drei Pressegewerkschaften.
Ich leite ein eigenes Radio.
Ich veröffentliche Bücher und CDs.
Ich entwickle Musicals und Oratorien.
Und ich arbeite mit künstlicher Intelligenz auf einer Ebene zusammen,
die für viele noch Zukunftsmusik ist.
Ich sage das nicht aus Eitelkeit.
Ich sage das, weil ich damit etwas beweisen möchte:
Wenn ich es kann – warum nicht auch andere?
Warum sollte meine Leistung zählen,
die meines Nachbarn auf der Straße aber nicht?
Was wir mit der Plattform Obdachlose – Presseclub erreichen wollen
Wir machen keine klassische Sozialarbeit.
Wir sind ein Presseclub.
Ein Ort, an dem ehemalige, aktuelle und zukünftige Journalisten,
die Erfahrung mit Armut haben, ihre Stimme finden.
Wir betreiben einen Blog.
Wir vernetzen uns.
Wir beobachten kritisch.
Und wir zeigen, was möglich ist.
Unsere Botschaft lautet nicht:
„Tut etwas für die Obdachlosen.“
Unsere Botschaft lautet:
„Tut etwas mit ihnen.“
Denn Obdachlose brauchen keine Fürsprecher.
Sie brauchen eine Plattform.
Und genau das ist POP – die Plattform Obdachlose – Presseclub.
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